Artikelfoto: Der kreative Prozess - Verschlungene Wege der Kreativität

Der kreative Prozess – Kreativität auf verschlungenen Wegen

Wenn du etwas künstlerisch gestaltest, was auch immer, sei es Zeichnen, Malen, Tanzen, Sticken, Erzählen, wird dir der kreative Prozess (von lateinisch: procedere = vorwärts gehen) nicht unbekannt sein.

Sicher hast du dabei erlebt, was Ideen und neue Fähigkeiten in dir angestoßen haben. Du kennst die verschiedenen Phasen des kreativen Prozesses – hast dir vielleicht nur noch nie Gedanken darüber gemacht.

Mich interessiert der kreative Prozess schon seit Jahrzehnten. Das war mitunter ein Grund, weshalb ich Kunsttherapie studierte. Auch später, als ich zukünftige Kunsttherapeuten unterrichtete, begleiteten mich diese Fragen:

  • Was ist der kreative Prozess?
  • Woher kommt die Fähigkeit zu gestalten?
  • Wie kann sie gefördert und gestärkt werden?
  • Woher kommen Blockaden, was bewirken sie und wie kann ich damit umgehen?

Ich möchte gerne verstehen, was geschieht, wenn wir gestalten. Deshalb nehme ich mir immer wieder Zeit um mich selber zu beobachten, zu reflektieren und darüber zu schreiben.

Wenn du künstlerisch arbeitest, gibt es ja immer wieder Zeiten des Zweifelns, der Erschöpfung oder du stehst einer kreativen Blockade gegenüber. Diese Phasen erlebe ich natürlich auch in meiner Arbeit als Geschichtenspielerin. Tatsächlich hat mir das Wissen um die verschiedenen Phasen des kreativen Prozesses schon oft geholfen.

Um dir mit meinen Erfahrungen weiterzuhelfen, ist der kreative Prozess hier im Blog ein wiederkehrendes Thema.

 

Artikelfoto: Der kreative Prozess - Verschlungene Wege der Kreativität

 

Der kreative Prozess

Es gibt verschiedene Modelle, die den kreativen Prozess erklären und ihn in 3 oder 4 Phasen einteilen ( siehe Phasen des kreativen Prozesses / Wikipedia ). Das kann einem den Eindruck vermitteln, dass der kreative Prozess brav nach Plan abläuft.

Doch darf man nicht vergessen, das sind Modelle und Erklärungsversuche.

Als Einstieg ins Thema finde ich diese Denkansätze interessant, um die Phasen des Prozesses kennenzulernen und zu verstehen. Allerdings hinken diese Prozessmodelle, weil eben in der Kreativität nicht alles geradlinig läuft. In Wirklichkeit ist alles komplexer. Kreatives Denken geht oftmals um die Ecke, ist assoziativ, braucht Freiräume, manchmal haben die Phasen eine andere Reihenfolge, werden übersprungen, wiederholen sich.

Meiner Beobachtung nach ist kreatives Arbeiten nicht linear. Der kreative Prozess läuft eher in einem Zyklus, in einer Spiralbewegung oder mäandert scheinbar zufällig.

 

Der kreative Prozess und einige seiner Wegstationen

  • Impuls: Es beginnt mit einer Anregung
  • Recherche: Informationen sammeln, die Idee füttern
  • Ausdruck und Ausarbeiten: Reaktion auf die Informationen der Recherche
  • Es geht nicht weiter: Irgendwann kommt dieser Punkt
  • Zurück treten, Abstand nehmen
  • Wahrnehmen: Was ist entstanden?
  • Reflektion über das Gestaltete
  • Antwort, Reflektion und weitere Recherche wechseln sich ab

 

Artikelfoto: Der kreative Prozess - Verschlungene Wege der Kreativität

 

Anregung zum Gestalten

Impulse für das künstlerische Arbeiten kann man überall bekommen:

  • Ein schönes Erlebnis
  • Etwas, das dir mißfällt
  • Der Ausflug in ein Museum
  • Ein Zeitungsartikel oder eine Erinnerung
  • Ein Wort oder ein Bild
  • Ein Problem oder du hast eine Auftragsarbeit
  • Eine neue Farbe oder ein neues Material, das du bisher noch nie verwendet hast.
  • Oder du hast vor kurzem eine neue Vorgehensweise oder ein Thema entdeckt und entwickelt.

Der kreative Prozess wird immer von etwas angestossen, das dich begeistert, interessiert – oder auch ärgert und herausfordert.

 

Recherche – Sammeln – Nähren

Ideen kommen nicht aus dem Nichts. Mach dich auf die Suche und recherchiere. 

Vielleicht klingt Recherche zu wissenschaftlich nach deinem Geschmack oder gar langweilig in deinen Ohren. Dann nenne es Sammeln oder Zusammenlesen.

Recherche ist Nahrung für deine Kreativität.

 

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Umsetzen, reagieren

Sobald du viel gesammelt hast, tief eingetaucht bist in all die Eindrücke, dann ist es an der Zeit produktiv zu werden, darauf zu reagieren, deine Antworten künstlerisch auszudrücken und umzusetzen.

  • Vielleicht entsteht eine Skulptur, ein Stilleben oder eine neue Geschichte daraus
  • Manchmal ist das, was entsteht, sehr roh und unfertig
  • Oder du machst einen grossen Wurf und dein Werk ersteht sehr schnell und mühelos

Du bist ganz vertieft im Gestalten, bist bestenfalls völlig eingetaucht im Tun. Wenn du dabei die Zeit vergißt, ist das ein sehr gutes Zeichen.

 

Reflektieren

Wahrscheinlich bekommst gar nicht so klar mit, was genau entsteht. Trete deshalb einen Schritt zurück und schau dir an, was du gemacht hast. Nimm dir immer wieder Zeit, um das Ergebnis deiner Arbeit anzuschauen.

Reflektiere deine Entscheidungen, damit du weißt, wie du weiter machen willst. Um das zu erkennen ist das Abstand nehmen wichtig.

In dieser produktiven Phase, der Umsetzung und des Ausarbeitens, pendelst du hin und her, zwischen Tun und Reflektieren.

Sobald du zu viel ins Grübeln kommst, sind die Zweifel und Blockaden nicht weit. Dann tauchen häufig solche Gedanken auf:

  • „Das ist langweilig, was ich da mache …“
  • „Nicht schon wieder, mir fällt gar nichts mehr ein …“
  • „Das wird nichts …“
  • „… sieht alles gleich aus …“

Deine perfektionistische Seite meldet sich.

Mit der Gefahr, dass du dich selber so kritisierst und du aufgibst. Oder blockiert davon läufst. Deshalb versuche eher wahrnehmend offen zu sein, zu spüren. Und nicht verkopft analysierend.

Sei nicht überrascht von diesen Gedanken, lass dich von ihnen nicht vom Weitermachen abhalten. Suche nach einem Zipfel, an dem du weiter machen kannst. Vielleicht brauchst du auch noch Input und weitere Recherche, um mehr Ideen zu sammeln.

In jedem Fall heißts jetzt: Dranbleiben und weitermachen.

Heute weiß ich, wenn diese Gedanken auftauchen ist das oft ein Zeichen, dass sich was Neues entwickelt und ich mein gestalterisches Problem bald lösen werde. Deshalb begrüsse ich mittlerweile diese Zeiten des Zweifelns. Sie sind ein fester Begleiter des Gestaltens.

 

Der Kreis schliesst sich

Manchmal dauert die Phase des Ausarbeitens und Gestaltens nur wenige Stunden, manchmal Jahre. Bis du an den Punkt kommst: Jetzt bin ich fertig.

Bis dann …

… die nächste Idee kommt

… und der kreative Prozess beginnt von vorne.

 

 

Lesetipp:

Mihaly Csikszentmihalyi: FLOW und Kreativität: Wie Sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen*

Michele Cassou: Point Zero – entfesselte Kreativität : frei und schöpferisch leben*

 Claudia Schuh, Heidi Werder: Die Muse küsst – und dann?: Lust und Last im kreativen Prozess*

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