Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen | Das Bild zeigt zwei Eurozeichen aus frischen Blüten gemacht

Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen – Netter Nebenverdienst?

Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen!

  • Netter Nebenverdienst, reich werden mit Märchen
  • Nebenverdienstideen: Werden sie Märchenerzählerin!
  • Job Ideen mit Pfiff: Geschichten erzählen
  • Nebenverdienst durch Märchenerzählen
  • Erzählerjob, ideal auch als zweites Standbein für Freiberufler, Studenten usw.

Immer wieder stolpere ich über solche „Tipps“. Ich sehe sie im Internet, auf Jobportalen, in Tageszeitungen oder Zeitschriften. Auch Anbieter von Märchenerzählworkshops ködern Kursteilnehmer mit solch blumigen Versprechungen. Als hauptberufliche Erzählerin schildere ich dazu mal meine Sichtweise und Gedanken.

 

Netter Nebenverdienst, einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen!

Diesen Satz werde ich in diesem Beitrag umkreisen und lasse ihn mir nun in einzelnen Teilen auf der Zunge zergehen:

  1. Netter Nebenverdienst
  2. Märchenerzählen als Nebenverdienst
  3. Einfach Märchenerzählen
  4. Einfach Geld verdienen
  5. Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen

 


 

1. Netter Nebenverdienst

Die Bedeutung des Wortes „nett“ kann recht unterschiedlich aufgefasst werden.

 

Positiv gesehen, hat „nett“ die Bedeutung von:

nett = liebenswürdig, ansprechend, angenehm, sympathisch

Märchenerzählen wird von vielen als eine liebenswerte Tätigkeit angesehen. Erinnerungen an die Kindheit steigen auf, die Oma im Schaukelstuhl, wundersame Verwandlungen, die Zeiten „als das Wünschen noch geholfen hat …“ So gesehen ist Märchenerzählen eine „nette Beschäftigung“.

 

Doch hat „nett“ auch einen bitteren, abwertenden Beigeschmack:

nett = oberflächlich, belanglos, ohne weiteren Anspruch

 

Die Bedeutung von „nett“ reicht also von

nett=liebenswürdig     über nett=nichtssagend     zu nett=abwertend

 

Im Zusammenhang mit dem Märchenerzählen finde ich vor allem die Bedeutung „nett = ohne weiteren Anspruch“ recht problematisch.

Wenn jemand Märchenerzählen als belanglos ansieht, gibt er sich auch wenig Mühe. Erzähler, die sich nicht um die Qualität ihrer Darstellung kümmern, tragen nicht dazu bei das Image der Erzählkunst zu verbessern – und letztlich bekommen alle Erzähler die Auswirkungen davon zu spüren.

Nicht selten treffe ich Kinder, denen das Erzählen von solchen Erzählern vermiest wurde und die beim Gedanken an eine Erzählaufführung seufzend die Augen verdrehen.

 

2. Märchenerzählen als Nebenverdienst

Nebenverdienst, das klingt nach mühelos, nicht arbeitsintensiv.

Wohl gibt es etliche Märchenerzählerinnen, für die das Erzählen Hobby und Nebenbeschäftigung ist.  Oft stecken sie viel Zeit in ihr Hobby, besuchen sie zahlreiche Workshops, Fortbildungen, Festivals, Kongresse und geben viel Geld dafür aus.

Wenn du genau hinschaust, dann stecken sie meist mehr Geld in ihr Hobby, als sie jemals verdienen.

Selbst, wenn du nur nebenberuflich erzählst, wirst du immer auch Ausgaben haben, die du durch die Einnahmen finanzieren musst. Fahrtkosten, Steuer, Bücher, vielleicht eine Visitenkarte, Porto, Website, Kostüm … da kommen schnell viele Hundert €uro im Jahr zusammen.

 

Artikelfoto: Mit Märchenerzählen Geld verdienen

 

3. Einfach Märchenerzählen

Neulich sagte jemand zu mir „Da brauchst du doch nur Talent dazu, sprechen kannst du sowieso. Wieso erzählen lernen?…“

Stimmt! Erzählen kann ja jeder!
Doch erzählst du auch gut genug, daß Leute dazu bereit sind, dich dafür zu bezahlen?

Die Kunst des Erzählens ist mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes zu vergleichen. Manche suchen sich einen Lehrer, andere sind Naturtalente und bringen es sich selber bei. Doch ums Üben und Lernen kommt keiner herum.

 

4. Einfach Geld verdienen

„Einfach Geld verdienen“ klingt nach wenig Aufwand und Arbeit – und viel Geld.

Leute, denen es hauptsächlich ums Geld geht, das sie mit möglichst wenig Aufwand in einem „netten Nebenjob“ verdienen wollen, täuschen sich da gewaltig.

Märchenerzählen ist viel Arbeit und in jedem Fall mehr als „nur 1 Stunde hinstehen und reden“.

Erzähler tun viel dafür, damit sie fähig sind zu erzählen. Vieles davon findet im Verborgenen statt.

Ähnlich wie z.B. Musiker, verbringen sie Stunden mit ihrem täglichen Training: ihre Stimme bilden, Termine organisieren, Werbung und Buchführung, Geschichten suchen und erarbeiten…und…und…und…

Auch bist du nicht die Einzige, die mit dem Märchenerzählen Geld verdienen will, Mitbewerber gibt es genügend:

  • Es gibt in Deutschland schon etliche Profierzähler, die bereits gut etabliert sind
  • Theaterpädagogen bessern durch das Märchenerzählen ihr Einkommen auf
  • Theater decken alle erdenklichen Sparten ab, mittlerweile auch das Märchenerzählen
  • Mancher arbeitslose Schauspieler nimmt jeden Auftrag an, um sich über Wasser zu halten
  • Lehrer und Erzieherinnen sind der Meinung, dass sie schon von Berufs wegen Erzähler sind
  • Ausgebildete Sprecher, Rezitatoren touren mit Erzählprogrammen
  • Hobbyerzählerinnen erzählen für einen Apfel und ein Ei
  • Musiker verbinden ihre Musik mit Märchenerzählen

 

Artikelfoto: Mit Märchenerzählen Geld verdienen

 

5. Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen

Solche Aussagen halte ich für unseriös, mit denen werden Erwartungen geweckt, die sich wohl kaum erfüllen.

Einfach mit Märchenerzählen Geld verdienen – Das ist einfacher gesagt, als getan! Bisher ist mir noch keine Märchenerzählerin begegnet, der die Sterntaler aus dem Himmel zufallen.

Mehr Info über die berufliche Situation von Kunstschaffenden findest du übrigens bei art but fair.

Derzeit weht im Kulturbereich ein harter Wind. Kunst und Kultur ist leider oftmals der erste Ort in einer Gesellschaft, an dem gespart wird. Du kannst du in allen Ecken drastische Sparmaßnahmen im Kulturbereich beobachten: selbst große bekannte Theater und Museen werden geschlossen. Und diese Entwicklung macht auch vor den Märchenerzählern nicht halt!

 

Auch beim Märchenerzählen gilt die Regel: von nix kommt nix.

Letztlich überlebst du als Märchenerzähler, wie in jedem anderen künstlerischen Beruf:

wenn du bereit bist viel zu arbeiten,

wenn du das nötige Handwerk gelernt hast,

wenn du viel Zeit und Energie hinein steckst,

wenn du immer weiter lernst,

wenn du deine Nische findest,

wenn du deinen Stil entwickelst,

wenn du gerne unterwegs bist,

wenn du bereit bist, lange Arbeitstage zu haben,

wenn du Leidenschaft und Ausdauer für die Erzählkunst hast,

wenn dich weder Selbstzweifel, noch mangelnde Nachfrage abhalten,

wenn du auch in mageren Zeiten weiter dran bleibst,

….

 

Lesetipp:

Ina Roß : Wie überlebe ich als Künstler?: Eine Werkzeugkiste für alle, die sich selbst vermarkten wollen *

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Wie siehst du das, ist Märchenerzählen ein netter Nebenverdienst zum Geld verdienen? Interessiert dich das Thema?

 

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6 Comments

  • Du sprichst mir als Berufserzählerin aus der Seele! Seit zehn Jahren arbeite ich als freiberufliche Erzählkünstlerin in Deutschland und mittlerweile ist es mir möglich von den Einnahmen zu leben. Danke für Deine treffenden Worte! Birgit Fritz/MärSinn

    • Wir sitzen eben alle im selben Boot. liebe Birgit…und machen ähnliche Erfahrungen. Wenn ich allerdings die Emails oder Fragen anschaue von Leuten, die sich überlegen Erzählerin zu werden – da wird mir immer klarer, wie sehr unser Beruf idealisiert wird, wie wenig bekannt ist, womit wir unsere Tage verbringen. Danke für den Kommentar!

    • Liebe Sigrid, das freut mich ganz besonders von Dir als Kollegin das zu hören! Es liegt mir schon lange auf der Zunge, dazu mal was zu sagen – da kommt noch mehr zum Thema!

  • Gestern war ich im Theater: „Lange Nacht der Märchenerzähler“ – es war großartig. Menschen aus der ganzen Welt sind aufgetreten und haben auf verschiedenste Art und Weise erzählt. Da steckt sehr viel Talent, Training und Opferbereitschaft dahinter, auch die Fähigkeit kreativ mit Sprache und Stimme umgehen zu können. Keineswegs ein „netter Nebenjob“!

    • Ja, sobald du die Vielfalt und Qualität guten Erzählens erlebst, erkennst du was alles in dieser Kunstform steckt. Trotzdem hält sich dieses Vorurteil vom „netten Nebenjob“. Mir scheint, es gibt eben einfach noch zu wenige solcher Veranstaltungen, wie die, von der du berichtest…Danke fürs mit-teilen deiner Gedanken!

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