Frisst das Lampenfieber dich auf?

Lampenfieber – Frisst dich das Lampenfieber auf? Was tun?

Viele Menschen werden nervös und haben Lampenfieber, wenn sie in einem Vortrag öffentlich vor anderen sprechen. Angst steigt auf, zu versagen, vor Aufregung nicht mehr weiter zu wissen und sich zu blamieren.

Du stehst vor dem Publikum und hast dieses mulmige Gefühl im Bauch.

Dir scheint, als ob du dich an nichts mehr erinnerst. Dein Kopf ist hohl und leer. Hast du jemals die Geschichten, die du erzählen willst, erinnern können?

Du fragst dich in der Situation, „Warum tu ich mir das bloß an?!“

All die vielen erwartungsvollen Gesichter irritieren dich.

Plötzlich stehst du beim Auftritt unter Stress und Leistungsdruck. Wie damals, als dich der Lehrer an die Tafel rief und du eine Rechenaufgabe lösen musstest.

Früher litt ich unter heftigem Lampenfieber. Ganz klassisch, mit Flattern im Bauch, Herzklopfen, schweißnassen Händen, zitternder Stimme, trockenem Mund. Und der steten Angst vor einem Blackout – auf den ich oft nicht lange warten musste.

 

Artikelfoto: Frisst das Lampenfieber dich auf?

 

Kohlköpfe als Publikum

Während meiner Puppenspielerausbildung gab mir jemand den schlechtesten aller Tipps:

Wenn du Lampenfieber hast, dann stell dir einfach vor, dass nicht Menschen, sondern Kohlköpfe vor dir sitzen. Das hilft dir sicher und macht weniger Angst…

So spielte ich jahrelang gegen Kohlköpfe.
Mit Lampenfieber!
Toller Rat!

 

Heimat auf der Bühne

Erst bei meinem Theaterlehrer Tony Montanaro lernte ich einen anderen Zugang kennen. Er sagte immer:

„Make the stage your home.“

Sieh die Bühne als dein Wohnzimmer, finde deine Heimat auf der Bühne.

Die Zuschauer sind deine Gäste.

Denk, was sie alles auf sich genommen haben, um zu deiner Aufführung zu kommen! Sie verliessen ihr weiches Sofa samt Fernseher, machten sich auf den Weg und bezahlen sogar dafür, dass sie dich erleben können. Mit ihrem Kommen unterstützen sie dich in deiner künstlerischen Arbeit.

Wer weiß, vielleicht ist dieser Auftritt ihre einzige Gelegenheit, deine Erzählkunst zu sehen.

 

Ohne Zuschauer gibt es keine darstellende Kunst. Sie sind Teil deiner Performance. Erst durch und mit ihnen entstehen deine Erzählungen.

 

Make the stage your home.

Diese Haltung hat für mich alles verändert.

Anfangs war es gewöhnungsbedürftig. Doch bald merkte ich, dass der Stress mit dem Lampenfieber mit all seinen unangenehmen Nebenerscheinungen verschwand.

Der eigentlich wohlgemeinte Rat, „spiel doch für Kohlköpfe„, hinkte vor allem daran, dass ich gegen das Publikum spielte.

Zudem baute sich dadurch eine Hierarchie auf: Die Menschen, die auf der Bühne stehen, sind was Besseres. Und sie müssen auch beweisen, dass sie besser sind als die einfachen Kohlköpfe drunten in den Rängen.

Statt vom Lampenfieber frei zu werden, stieg dadurch der Leistungsdruck. Das Lampenfieber blähte sich auf und beherrschte mich. Der Rat war eine pure Sackgasse!

 

Spiele also nicht gegen, sondern mit den Zuschauern.

Nimm sie mit in deine Welt.

 

Artikelfoto: Frisst das Lampenfieber dich auf?

 

Was tun, wenn das Lampenfieber trotzdem kommt?

Wenn du merkst, dass Angst und Lampenfieber aufsteigen, nimm sie wahr, unterdrücke sie nicht.

Angst an sich ist nichts Schlimmes. Angst gehört zum Leben, wir müssen nicht versuchen sie auszumerzen. Oder sie überwinden. Nur lass dich nicht von der  Angst bestimmen.

Du kannst lernen mit der Angst umzugehen. Sie begleitet dich, um dich zu schützen und nicht, um dich von den Dingen abzuhalten, die du tun möchtest.

Nimm Angst und Lampenfieber einfach nicht ernst.

Konzentriere dich nicht auf das Lampenfieber, sondern auf das, was du tust.

Bist du Erzählerin, dann konzentriere dich auf den Anfang deiner Erzählung. Jede Geschichte hat ihre eigene Logik, wenn du „ganz drin“ bist, wirst du nichts Wesentliches vergessen. Auch wenn du ein Referat oder einen Vortrag hältst, ist das nicht viel anders. Erinnere dich daran, dass du dich im Thema auskennst!

 

Vertraue darauf. 

Durchlebe die Geschichte so, wie wenn sie im Moment geschieht.

 

Frisst das Lampenfieber dich auf?

 

Falls das Lampenfieber dich mal wieder beherrscht, dann probiere doch mal diese folgenden 3 Tipps. Die haben mir immer wieder geholfen …

 

1. Gibt es noch was anderes als dein Lampenfieber?

So, jetzt atme mal tief durch und spüre wie deine Füsse die Erde berühren.

Mach dir bewusst, dass du nicht nur aus Lampenfieber bestehst. Schau doch, was sonst noch alles geschieht, zum Beispiel:
✸   Dein Herz schlägt
✸   Dein Atem strömt aus und ein
✸   Du freust dich, deine Arbeit zu zeigen
✸   Deine Geschichten mit dem Publikum zu teilen
✸   Du erinnerst dich an all die Bilder der Geschichte
✸   Du weisst, wie die Geschichte beginnt…

 

2. Konzentriere dich auf den Augenblick

✸   Dehne deinen Körper vor dem Auftritt, mache ein paar Atemübungen
✸   Massiere deine Füsse, deinen Bauch, den unteren Teil des Rückens
✸   Überlege, wie deine erste Geschichte beginnt
✸   Wie sieht das erste Bild der Geschichte aus?
✸   Wo befindest du dich im Raum, auf der Bühne?
✸   Welche Bewegung und Körperhaltung machst du dabei?

 

3. Mach langsam und nimm dir Zeit

Viele Erzähler und Redner tendieren dazu, durch den Text zu hetzen, wenn sie nervös sind.

Wenn du merkst, dass du aufgeregt bist und der Pegel des Lampenfiebers steigt, dann schalte bewusst einen Gang herunter.

Die Zuschauer sind gekommen, um zu erleben, was du machst. Schenke Ihnen die Zeit.

 

Mach langsam, nimm dir Zeit!

Du erzählst Geschichten und bist nicht auf der Flucht!

 


 

Leidest du auch unter Lampenfieber ?

Dann schau dich doch hier auf Ethnostories weiter um, dann findest du noch mehr zum Thema und weitere Tipps gegen Lampenfieber. Auch wenn du keine Erzählerin bist, kannst du sicherlich einiges in deinen Bereich übertragen.

Hast du Fragen? Wenn du magst, dann erzähl doch im Kommentar, was dir hilft bei Lampenfieber.

 

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