Meine Inspiration für die Kunst - Das Reisen

Das Reisen – Meine Inspiration für die Kunst

Ja, ich verreise gerne. Das Reisen ist mir eine wichtige Inspiration für die Kunst.

Beim Reisen geht es mir nicht darum, Urlaub von meinem Arbeitsleben zu machen oder zu entspannen. Ich hake auch keine Länder auf einer Bucketlist ab. Dieses Konzept der Bucketlist ist mir eh ziemlich fremd und ich bin nicht daran interessiert, Städte und Länder in meiner Biographie zu sammeln.

Ich gehöre eher zu den Reisenden, die gerne länger an einem Ort bleiben. Denn nur so kann ich tiefer in eine Kultur eintauchen. Es zieht mich an Orte in der Welt, die mir Inspiration für die Kunst bieten und wo ich eine zeitlang leben und künstlerisch arbeiten kann.

Wenn ich unterwegs bin, möchte ich auch das Alltägliche erleben. Das Abklappern von Sehenswürdigkeiten ist mir unwichtig und sowieso fraglich. Denn, wieso soll das eine sehenswürdig sein und das andere nicht? Ich kann es fertig bringen in Paris zu sein, ohne den Eiffelturm zu besichtigen. Viel lieber suche ich Orte, wo sich die Einheimischen aufhalten. Zum Beispiel auf dem Markt oder in einem einfachen Bistro. Denn da finde ich das Paris des Alltags.

Es geht mir darum, Inspirationen für meine künstlerische Arbeit zu bekommen.

Das Reisen fordert mich immer mal wieder heraus, lässt mich meinen Trott durchbrechen und meine Komfortzone überschreiten. Neuem begegnen, Zuhören, Unbekanntes entdecken und Menschen kennenlernen. Kurz, die Welt und das Leben von einer anderen Perspektive zu erfahren.

Ich mag es, dass die Dinge auch anders sein können, wie wir es gewohnt sind. Das Reisen verändert dein Denken, wenn du erlebst, dass in anderen Kulturen Dinge einfach anders gemacht werden.

„Das Reisen – erst lässt es dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler.“ Ibn Battuta

 

Betragsbild: Meine Inspiration für die Kunst - Das Reisen

 

Kennst du diese Geschichte von dem Frosch, der seit seiner Geburt in seinem Brunnen lebte?

Vom Himmel sah er nur so viel, wie der Brunnenrand frei liess. Der Frosch war überzeugt, dass er die ganze Welt kannte.

Eines Tages besuchte ihn ein anderer Frosch.

„Grüß dich, mein Freund. Wo kommst du her?“ fragte der Brunnenfrosch.

„Ich wohne in einem Wassergraben, in der Nähe des Meeres.“

„Hä, am Meer? Da war ich noch nie. Ist das Meer auch so gross und geräumig wie mein Brunnen?“

„Deinen engen Brunnen kannst du doch nicht mit dem Meer vergleichen! Das Meer ist viel, viel grösser! Du kannst nicht bis zum anderen Rand schwimmen, überall ist nur Wasser…“

„Erzähl keine Märchen, das gibts nicht!“, sagte der Brunnenfrosch, „Grösser als mein Brunnen ist nichts auf der Welt!“

„Dann komm mit, ich zeige dir das Meer.“

Und sie machten sich auf den Weg.

Als der Brunnenfrosch die Weite und Endlosigkeit des Meeres sah, sperrte er Maul und Augen groß auf. Und langsam verstand er, wie gross die Welt ist.

 

Das Reisen und der Blick über den Brunnenrand

Immer, wenn ich längere Zeit in Deutschland bin, geht es mir wie dem Brunnenfrosch. Mein Blick beschränkt sich. Plötzlich meine ich, dass die Welt nur noch aus dem Stück Himmel besteht, das ich von meinem Brunnen aus sehe. Wie es in anderen Ländern ist, rückt in die Ferne und ich meine, dort wo ich lebe, ist der Nabel der Welt.

Genau dieses Gefühl mag ich gar nicht! Da wird es wieder Zeit für das Reisen. Um die Welt von einem anderen Winkel zu erleben. Durch die Augen anderer Menschen.

Aus der Ferne siehst du auch deine Heimat mit ganz anderen Augen. So mancher Schriftsteller konnte erst im Ausland, umgeben vom Klang einer fremden Sprache, Worte über seine Heimat finden. Ich glaube Hemingway ging das so, dass er erst nach Spanien reisen mußte, bevor er über Amerika schreiben konnte.

Wohl wahr, mir geht das ähnlich. Aus der Distanz kannst du vieles erinnern. Du erkennst, was du in der Nähe übersiehst.

 

Betragsbild: Meine Inspiration für die Kunst - Das Reisen

 

Bilderwelt füttern als Inspiration für die Kunst

Ich brauche diese sinnliche Erfahrungen für meine künstlerische Arbeit. Das Reisen schenkt mir Eindrücke und die Möglichkeit die Welt von einem anderen Winkel zu erleben. Das andere Licht, die Farben und Gerüche, Geräusche, Menschen.

Jedes andere Erleben wird ein Teil meines Lebens. Von allen Reisen bringe ich etwas mit, eine Geschichte, eine Frage, die Musik einer Sprache, einen Geschmack, einen Duft, ein paar Worte, eine andere Art Dinge zu machen.

Neugier ist ein wichtiger Anstoß für die Kreativität und es ist vor allem für meine künstlerische Arbeit wichtig, immer wieder Zeiten zu haben, um meine innere Bilderwelt zu füttern. Denn daraus schöpfe ich. Da finde ich Anregungen, das ist meine Inspiration für die Kunst. Es gibt so viel zu entdecken in der Welt.

Was war ich verwundert, als ich vor 30 Jahren von einer 3-monatigen Reise durch Indonesien zurück kam, dass in Deutschland alle halten, wenn die Ampel rot ist. Und erst, wenn es grün wird, fahren alle los. Auf Bali blinkte die einzige Ampel der Insel mal rot mal grün. Keiner kümmerte sich drum. Die Ampel war reine Deko und eher ein Symbol der Moderne. Was für mich im ersten Moment nach Verkehrschaos aussah, war lediglich eine andere Ordnung.

Auf dieser Reise lernte ich so vieles kennen und ließ mich die Dinge von einem anderen Blickwinkel sehen. In Bali begegnete ich auch einem, mir völlig neuen, Verständnis von Kunst, das mein Denken ziemlich durcheinander wirbelte. Seither begleitet mich die Frage, „Was ist Kunst für mich?

Als ich von meiner Mongolei Reise zurück kam, bemerkte eine Freundin „Du hast noch die Weite der Steppe in den Augen…ich sehs ganz deutlich!“ Und bald danach landete diese Weite in meinem Erzählprogramm mit Märchen aus der Mongolei.

Die Welt zu erleben ist für mich der wahre Reichtum.

 

Betragsbild: Meine Inspiration für die Kunst - Das Reisen

 

Da sein und Augenblicke sammeln

Beim Reisen sammle ich Augenblicke und kann dem Leben zuhören, in all seinen Facetten. Es geht mir um die sinnliche Wahrnehmung der Welt. Ich mag dieses wache lebendige Gefühl, die Offenheit und Unsicherheit nie zu wissen, was dir als nächstes begegnet.

Reiseführer lese ich aus dem Grund meistens erst nach der Reise.

Erst das Erleben, danach verstehen und darüber lesen.

Sonst kann es sein, dass du als Reisende im Land unterwegs bist und alles mehr durch die Brille des Reiseführers siehst. Statt vorgekauten Informationen folgen, mag ich lieber selber die Dinge entdecken. Wie oft beobachte ich Leute, die beim Reisen online Informationen über ihren Aufenthaltsort lesen und dazu ständig auf ihr Smartphone schauen – obwohl das Leben direkt vor ihren Augen geschieht.

 

Ein anderes Zeitgefühl

Zu alledem finde ich in manchen Ländern auch einen anderen Umgang mit der Zeit. Obwohl eigentlich die Abfahrt um 8 Uhr geplant war, kommt der Fahrer erst um 9 und gegen 10 Uhr gehts erst los. Und trotzdem kommst du rechtzeitig an!

Bei uns in Europa sagt uns das allgemeine Zeitgefühl, dass die Jahre immer schneller vorübergehen. Es ist nicht mehr der Rhythmus von Tag und Nacht, der uns Struktur gibt. Es ist nicht das Rund einer altmodischen Uhr, die das zyklische Wiederkehren der Zeit zeigt. Sondern das Ticken der digitalen Uhr, die Sekunde um Sekunde zusammenzählt. Wie das Abstrichen jeder Sekunde deiner Lebenszeit.

Ja, ich bin stets auf der Suche nach Zeitlosigkeit, in meiner künstlerischen Arbeit und beim Erzählen. Wenn ich es schaffe, dass meine Zuschauer vergessen auf die Uhr zu schauen, bin ich beim Erzählen auf dem richtigen Weg. Wenn sie das Gefühl haben, ich hätte schon nach 5 Minuten aufgehört, obwohl ich tatsächlich über eine Stunde erzählt habe, ist das für mich das größte Kompliment. Es zeigt, dass sie tief in ihrer eigenen Imagination und Bilderwelt versunken waren.

 

Nach der Reise ist immer auch vor der nächsten Reise

Daheim zu sein gibt mir die Ruhe zu schreiben, neue Geschichten zu erarbeiten, zu malen, gestalten und zu werkeln. Und dann gibt es immer wieder Zeiten, in denen mich die Wanderschuhe unbändig jucken.

Es sind da diese zwei Seiten in mir,

wie Einatmen und Ausatmen.

Eine, die gerne zurückgezogen lebt

und eine, die es neugierig in die Ferne zieht.

 

So reisen kann ich natürlich mit kaum einem Reiseveranstalter. Private Unterkünfte sind dafür viel besser, denn hier kann ich das alltägliche Leben mitbekommen. Im Hotel geht das nicht. Da bist du abgeschirmt in einer anderen Welt, die den Standart von Europa und der westlichen Welt überall hin transportiert…

Doch drüber erzähle ich ein andermal.

Vielleicht magst du ja erstmal diese Artikel lesen:

 

Lass dich über neue Artikel von Ethnostories per Email benachrichtigen.

 

 

Written By
More from Uschi Erlewein

5 Tipps gegen Lampenfieber

Im Artikel „Frisst dich das Lampenfieber auf?“ habe ich über meine Grundhaltung...
Read More

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.