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Zuhören – Man hört nicht mit dem Ohr allein – 11 Tipps für Erzähler

Meine Erzählerkollegin Gabi fragte, „Wie schaffe ich es, lauter zu sprechen, so dass mir die Menschen besser zuhören? Hast du ein paar Tipps für mich?“

Dann berichtete mir Gabi von ihrem letzten Auftritt. Kaum hatte sie begonnen ihr Märchen zu erzählen, zerbrach die Stille im Raum. Die alte Dame in der ersten Reihe dröhnte:

Was haben sie gesagt? Ich verstehe sie nicht! Sprechen sie lauter!

Das passiert immer mal wieder, dass wir nicht alle Zuhörer erreichen. Manchmal liegt das an uns Erzählern. Manchmal auch nicht. Vielleicht hatte in diesem Beispiel die alte Dame einfach vergessen ihr Hörgerät einzuschalten?

Es gibt sehr wohl etliches, was du als Erzählerin dafür tun kannst, um die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer zu bekommen, damit sie dir zuhören. Du weißt ja, dass ich hier im Blog mit dir mein Wissen teile, deshalb findest du in diesem Beitrag ein paar Anregungen und Tipps.

 

Man hört nicht mit dem Ohr allein

Ob dir zugehört wird, während du erzählst, hat nur bedingt mit der Lautstärke deiner Sprache zu tun. Zuhören ist viel mehr als die Aufnahme akustischer Signale.

 

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Fang bei dir selber an: Übe selber das Zuhören

Nimm dir bewusst immer wieder Zeit, um Menschen und dem Leben zuzuhören.

Sei neugierig. Aktives Zuhören ist auch immer ein Zeichen von Wertschätzung und Kommunikation.

Beobachte wie Stimme, Mimik, Körpersprache und Ausstrahlung zusammen spielen und sich ergänzen.

Stell dir Fragen. Weshalb du jemandem gerne zuhörst? Warum bringt dich eine andere Person immer zum Einschlafen? Warum driften deine Gedanken ab, wenn du ihm zuhörst?

Auch von Kollegen kannst du lernen. Wenn du das nächste Mal eine Aufführung siehst, achte darauf, wie die Erzählerin es schafft, ihr Publikum zu halten? Was macht sie, damit die Leute ihr so gut zuhören?

Analysiere und versuche das, was du beobachtet hast, auf dein Erzählen zu übertragen.

 

Warte

„Seid ihr alle da?“ ruft der Kaspar. Erst wenn alle „Jaaaa!“ rufen, beginnt das Spiel. Auch wenn du dein Publikum nicht so anheizen willst, kannst du trotzdem was vom Kaspar lernen:

Beginne erst dann zu erzählen, wenn du die Aufmerksamkeit deiner Zuschauer hast und sie dir zuhören. Sei präsent, schau deine Zuschauer an, sammle dich, spür deine Energie und nimm dein Publikum mit in die Welt der Geschichten.

 

Nimm dir Zeit zu atmen

Wie du atmest, atmet auch dein Publikum. Bist du atemlos, überträgt sich das auf dein Publikum. Deshalb nimm dir Zeit und haste nicht durch die Geschichte.

Märchenerzählen ist kein Pferderennen!

 

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Mach Pausen

Pausen sind wichtig, damit das Publikum das Gesagte verarbeiten kann.

Besonders bei Witzen ist das so offensichtlich. Wenn du da ohne Pausen, in der richtigen Länge und zur richtigen Zeit, weiter redest, wirst du jeden Lacher ersticken. Nicht nur Humor braucht diese Pausen, um sich zu entfalten.

 

Sei ganz auf deine Erzählung fokussiert

Beim Erzählen vor Publikum kann man schnell erkennen, ob eine Erzählerin ihre Märchen auswendig gelernt hat. Sie erzählt sie (noch?) nicht so organisch, wie etwas, das sie selber erlebt hat. Es klingt gestelzt und konstruiert.

Bei mancher Erzählerin sieht man dann richtig, was sie denkt: „Jetzt muss ich eine Pause machen … 21 … 22 … 23 … wie gehts jetzt weiter?“

Das irritiert beim Zuhören und reißt einen aus der Konzentration. Bleib deshalb auch den Pausen immer ganz in der Situation der Geschichte.

Rufe zwischen den Worten die Bilder der Geschichte wach.

Sieh, was du erzählst: Was geschieht im Moment? Wie sieht die Landschaft aus? Siehst du die Personen, von denen du erzählst?

 

Pack nicht zu viel in einen Satz !

Das brauch ich nicht weiter erklären …

 

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Kürze deine Texte auf das Wesentliche

Nicht alles muss bis ins kleinste Detail mit Worten beschrieben werden. Auch nicht gesagte Worte haben ihre Wirkung und Aussage! Nicht die Menge von Informationen, Worten und Adjektiven macht eine gut erzählte Geschichte aus.

 

Zeig dich, komm hinter deinem Schutzschild hervor

Erlaubst du deinem Publikum, dass es dich sehen darf? Oder ist es dir unangenehm im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen?

Vergiss deine „Erzählerpersona“, vergiss deine Vorstellungen, wie eine Märchenerzählerin sein sollte. Setz die Maske ab und sei du selber. Authentisch, menschlich.

Erlaube dem Publikum dich zu sehen. Dich zu mögen. Du musst dich nicht verstecken! Jeder Mensch hat etwas ganz Besonderes. Etwas, das er auch mit der Welt teilen sollte.

Wenn du sympathisch rüber kommst, verzeiht man dir auch deine vermeintlichen „Fehler“. Fehler machen ist menschlich. Wenn das Publikum dich mag und sich mit dir identifizieren kann, dann musst du nicht die Perfektion in Reinkultur mimen.

 

Lass deinen Körper sprechen

Manche empfehlen, dass man beim Erzählen still stehen soll. Damit ist aber nicht gemeint, dass du wie festgenagelt am Platz stehen sollst.

Es geht vielmehr darum, das Wesentliche zu tun. Und alles auszusortieren, was ablenkt und nicht förderlich für die Erzählung ist.

Jede einzelne Bewegung ist wie ein Wort und hat eine Aussage.

Wenn du also Bewegung als Körpersprache verstehst, dann drücke mit dem Körper nur aus, was wichtig ist. Lass es nicht in einem Schwall von Bewegungen untergehen.

Zum Beispiel, wenn du nervös hin- und hergehst, dir die Haare aus dem Gesicht streifst oder dich an der Nase kratzt – dann lenkt das ab. Vor allem, wenn du wenig Körperbewusstsein hast.

Unbewusste Bewegungen lenken ab, bewusste Bewegungen verkörpern deine Geschichte.

 

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Schaffe dir gute Bedingungen

Nicht immer sind die Räumlichkeiten, in denen wir Erzähler auftreten, optimal. Umso mehr ist es notwendig darauf zu achten, wo du dich in einem Raum zum Erzählen hinstellst. Damit kannst du das Zuhören fördern.

Schaffe dir immer gute Bedingungen, die es den Zuschauern erleichtern, dir zuzuhören.

Such dir einen gut sichtbaren Platz, vielleicht auf einem niedrigen Podest. Wenn du beim Erzählen stehst, kannst du gut gesehen werden und leichter atmen, bist freier in den Bewegungen.

Achte darauf, dass du vor einem optisch ruhigen Hintergrund erzählst. Wenn die Zuschauer z.B. von der Sonne geblendet, durch die beweglichen Bilder eines Monitors abgelenkt werden oder hinter dir Leute vorbeigehen, hast du von vornherein schlechte Karten.

Jeder Raum hat eine andere Akustik. Bevor du entscheidest, wo du deinen Aktionsraum machst, teste die Akustik. Geh sprechend, rufend, singend durch den Raum, beobachte wo der Schall hingeht.

Entscheide du, wo du erzählst und überlasse das keinem, der meint: „so haben wir es aber immer gemacht“.

 

Und zum Schluss der wichtigste meiner Tipps:

Sei ansteckend und begeistere deine Zuschauer!

 

 

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